Pressemitteilung zum Pendelverhalten
Fürth, den 25. Juni 2026
Pendlerbilanz 2024 in Bayern: Arbeitswege, Fahrtzeit und Ausgaben im Stadt-Land-Vergleich
Preise für Kraftstoffe im Langzeitvergleich stärker gestiegen als Pendeln mit Bus und Bahn
7,5 Millionen Erwerbstätige in Bayern pendeln im Jahr 2024 laut Pendlerrechnung regelmäßig zu ihrer Arbeitsstätte. 4,6 Millionen davon pendeln aus ihrer Wohngemeinde hinaus. Der Auspendleranteil liegt mit 24,6 Prozent in den Metropolen München und Nürnberg bei knapp einem Viertel und im kleinstädtischen und dörflichen Raum bei
78,1 Prozent. Erwerbstätige aus kleinstädtischen und dörflichen Gemeinden legen laut Mikrozensus 2024 im Schnitt mit 24 Kilometern die weitesten Strecken zu ihrer Arbeit zurück und 82,8 Prozent dieser Pendler nutzen das Auto. In Metropolen werden dagegen die kürzesten Wege (15 Kilometer) zurückgelegt.
Laut den aktuellen Ergebnissen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von 2023 sieht man dabei auch die Unterschiede in den Ausgaben. Haushalte aus dörflichen Gemeinden geben mehr als doppelt so viel für Kraftstoffe aus als Haushalte aus Metropolen (147 Euro auf dem Land vs. 65 Euro pro Monat in Metropolen). In Metropolen wird mit 60 Euro pro Monat dafür mehr für den ÖPNV ausgegeben als mit 17 Euro pro Monat auf dem Land.
In der Preisstatistik sind die Kraftstoffpreise im Langzeitvergleich zum Jahresdurchschnitt 20201) auch deutlich stärker gestiegen (+41,1 Prozent bis Februar 2026) als kombinierte Personenbeförderungsleistungen und Bahntickets mit 5,2 bzw. 3,7 Prozent im selben Zeitraum bis Februar 2026.
Fürth. Die Ergebnisse der neuen Auswertung des Bayerischen Landesamts für Statistik zeigen, dass Pendelentfernungen zum Arbeitsort, die Wahl des Verkehrsmittels und die monetären Kosten, die mit dem Pendeln verbunden sind, stark vom Wohnort abhängen. Pendler, die in ländlichen Regionen leben, haben weitere Strecken zur Arbeit, pendeln häufiger mit dem Pkw und haben die höchsten Ausgaben für Kraftstoffe. Ein Blick in die Preisentwicklung seit 2020 zeigt, dass die Preise für Kraftstoffe stärker gestiegen sind als die von Personenbeförderungsleistungen, wie Verbund- oder Bahntickets.
Die Pendlerrechnung zeigt, dass 4,6 Millionen Personen in Bayern 2024 aus ihrer Wohngemeinde zu ihrer Arbeitsstelle auspendeln. Der Anteil an Auspendlern unterscheidet sich zwischen städtischen und ländlicheren Gegenden deutlich. In den Metropolen München und Nürnberg pendelt mit 24,6 Prozent knapp ein Viertel aus, in den Großstädten Ingolstadt, Regensburg, Erlangen, Fürth und Würzburg sind es 36,4 Prozent und in zentralen Städten und Mittelstädten wie Aschaffenburg, Bamberg, Kaufbeuren sind es 45,8 Prozent. Deutlich höher sind die Anteile der Auspendler im städtischen Raum (kleinere Städte und Regionen im Umkreis größerer Städte) mit 72,7 Prozent und im dörflichen oder kleinstädtischen Raum mit 78,1 Prozent.
Die Pendlerrechnung zeigt außerdem, dass Frauen häufiger in ihrer Wohngemeinde als Männer arbeiten. Im kleinstädtischen und dörflichen Raum ist der Anteil an Auspendlern bei Frauen und Männern gleich hoch.
Dauer des Arbeitsweges in Metropolen etwas länger als im ländlichen Raum
Der Mikrozensus zeigt, dass Erwerbstätige aus ländlicheren Regionen Bayerns mit 24 Kilometern weitere Strecken zur Arbeit zurücklegen als Erwerbstätige in Metropolen (15 Kilometer). In den Metropolen dauert der Arbeitsweg mit 28 Minuten etwas länger als auf dem Land mit 25 Minuten.
Auffallend ist, dass in den Metropolen der öffentliche Nahverkehr mit 35,4 Prozent gegenüber dem Pkw das meistgenutzte Verkehrsmittel ist. Das Fahrrad wird mit 18,1 Prozent am häufigsten in Großstädten genutzt.
Die Ausgaben, die für den Arbeitsweg anstehen, unterscheiden sich zwischen ländlichem und städtischem Raum. Den aktuellen Ergebnissen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023 nach, geben Haushalte im kleinstädtischen und dörflichen Raum mit 147 Euro monatlich mehr als doppelt so viel für Kraftstoffe aus wie Haushalte in Metropolen mit 65 Euro pro Monat. Die Ausgaben für öffentliche Verkehrsmittel sind im Umkehrschluss mit 60 Euro in Metropolen deutlich höher als mit 17 Euro pro Monat auf dem Land.
Kraftstoffpreise seit 2020 stärker gestiegen als Preise für öffentliche Verkehrsmittel
Die Höhe der monatlichen Ausgaben für den Pendelweg hängen maßgeblich von den Preisen für Kraftstoffe und öffentliche Verkehrsmittel ab. Laut Preisstatistik ist im Langzeitvergleich seit 2020 im Jahresdurchschnitt eine deutlich stärkere Preissteigerung bei Kraftstoffen zu beobachten als bei Leistungen des Personenverkehrs: Die Preise für Kraftstoffe stiegen bis Februar 2026 um
rund 41,1 Prozent, während kombinierte Personenbeförderungsleistungen, wie beispielsweise Verbundtickets, und Bahntickets mit 5,2 bzw. 3,7 Prozent nur moderat zunahmen.
Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat sich diese Diskrepanz weiter verschärft: die Kraftstoffpreise haben im März 2026 nochmal um 16,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat angezogen, während die Preise für kombinierte Personenbeförderungsleistungen unverändert geblieben sind und die Preise für Bahntickets mit 2,4 Prozent im Vergleich zum Februar 2026 nur moderat angestiegen sind.
Statistik Magazin „Bayern in Zahlen“ berichtet ausführlich dazu
Diese und weitergehende Analysen werden heute in der aktuellen Ausgabe 06/2026 der Zeitschrift Bayern in Zahlen im Artikel „Zwischen Stadt und Land: Pendler in Bayern“ veröffentlicht. Darin werden zusätzlich Unterschiede nach Geschlecht analysiert und die Rolle von Homeoffice bei Pendlern genauer betrachtet. Das Magazin ist als .pdf-Download frei verfügbar unter: https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/biz/z1000g_202606.pdf
Hinweise:
1) Das Jahr 2020 wird gewählt, weil es in der Verbraucherpreisstatistik das aktuelle Basisjahr darstellt und sich als Referenzgröße gerade auch im Hinblick der Ereignisse wie z.B. des Ukrainekriegs eignet.
Weitere Ergebnisse finden Sie in dem Artikel „Zwischen Stadt und Land: Pendler in Bayern – Entfernungen, Verkehrsmittel und Kosten“ der Zeitschrift Bayern in Zahlen, Ausgabe 06|2026.
Download als .pdf unter: https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/biz/z1000g_202606.pdf
Die Ergebnisse basieren auf vier verschiedenen amtlichen Statistiken:
Mikrozensus
Der Mikrozensus ist eine seit 1957 gesetzlich verpflichtende, repräsentative Befragung von Haushalten in Deutschland. Jährlich wird rund ein Prozent der Bevölkerung zum Mikrozensus befragt.
Der Mikrozensus umfasst ein Kernfrageprogramm, das jeder zufällig ausgewählte Haushalt beantworten muss. Darüber hinaus sind in den Mikrozensus weitere Erhebungsteile zu spezifischen Themenfeldern integriert, die nur einem Teil der ausgewählten Haushalte gestellt werden.
Der Erhebungsteil zur Arbeitsmarktbeteiligung (Labour Force Survey, LFS) vertieft die Themen Erwerbstätigkeit, Arbeitssuche und Weiterbildung. Dadurch liegen wichtige Informationen z. B. zu Ursachen für Arbeitslosigkeit oder Befristung vor. Alle vier Jahre werden in einem Zusatzmodul detaillierte Fragen zum Pendelverhalten abgefragt.
Pendlerrechnung
Die Pendlerrechnung der Länder fasst mehrere Datenquellen zusammen, um die Gesamtheit der Erwerbspendler möglichst gut abzubilden: die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte), die Personalstandstatistik des Bundes und der Länder (Bundes- und Landesbeamte) sowie das Kernprogramm und die Arbeitskräfteerhebung des Mikrozensus (Selbstständige und mithelfende Familienangehörige). Die Pendeleigenschaft wird aus dem registrierten Wohn- und Arbeitsort ermittelt. Wie oft und ob die Strecke tatsächlich regelmäßig gependelt wird kann daraus nicht abgeleitet werden. Die Pendeldistanzen werden in der Pendlerrechnung als Luftliniendistanzen zwischen dem Mittelpunkt des Wohn- und des Arbeitsortes berechnet.
Preisstatistik
Der Verbraucherpreisindex misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten zu Konsumzwecken erworben werden. Im Warenkorb des Verbraucherpreisindex befinden sich rund 700 Güterarten. Darunter zählen auch für das Pendeln relevante Positionen, wie Spritpreise und Preise für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Zur Messung der Entwicklung der Spritpreise wird die Sondergliederung Kraftstoffe herangezogen. Die Preise für öffentliche Verkehrsmittel werden anhand der Positionen Kombinierte Personenbeförderungsdienstleistungen und Bahntickets (für Nah- und Fernverkehr) abgebildet. Kombinierte Personenbeförderungsleistungen umfassen verschiedene Verbundtickets (Einfache Fahrt, Tageskarte, Monatskarte). Unter Bahntickets fallen allgemeine Tickets sowie Job- oder Schülertickets.
Einkommens- und Verbrauchstichprobe
Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe ist eine freiwillige Haushaltserhebung, die alle fünf Jahre stattfindet, zuletzt im Jahr 2023. Dabei geben die Haushalte Auskunft über ihre Einnahmen und Ausgaben, ihre Wohnverhältnisse, ihr Vermögen und ihre Ausstattung mit ausgewählten Gebrauchsgütern. Bei der EVS handelt es sich um eine sogenannte Quotenstichprobe von brutto etwa 0,2 % aller privaten Haushalte.
