Pressemitteilung
Fürth, den 10. Juni 2026
„ZAHLENDREHER“ - KORREKTUR: Mikrozensus 2025: Beschäftigung ist seit dem Jahr 2010 bei Eingewanderten meist genannter Grund für Zuzug
Neue Auswertungen zu Demographie und Zuzugsgründen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Bayern
In der Pressemeldung vom 10. Juni 2026 (150/2026/42/A) hat sich ein „Zahlendreher“ bei den Angaben zur Familienzusammenführung eingeschlichen. Der neue Wert ist fett markiert. Der zuvor genannte Wert ist in Klammern dahinter mit "alt:" markiert.
Erstergebnisse des Mikrozensus zeigen, dass in Bayern im Jahr 2025 rund 3,5 Millionen Personen eine Einwanderungsgeschichte haben, d.h. dass sie selbst oder beide Elternteile nach Deutschland eingewandert sind. Die meisten Personen stammen aus Europa. Seit 2010 ist die Aufnahme einer Beschäftigung der häufigste Zuzugsgrund, während in den Jahren zuvor die Familienzusammenführung der meist genannte Grund für den Zuzug war. Die Zuzugsgründe unterscheiden sich nach Geschlecht: Männer sind seit 2010 in erster Linie aufgrund der Aufnahme einer Beschäftigung zugewandert, Frauen wandern mehrheitlich aufgrund der Familienzusammenführung ein. Rund 70 Prozent der Eingewanderten, die wegen Familienzusammenführung oder Familiengründung nach Deutschland gekommen sind, stammen aus europäischen Ländern.
Fürth. Laut den Erstergebnissen des Mikrozensus haben in Bayern im Jahr 2025 rund 3,5 Millionen Personen eine Einwanderungsgeschichte. Damit ist rund jede vierte Person in Bayern entweder selbst eingewandert (2,7 Millionen Eingewanderte in 1. Generation) oder ist Nachkomme von zwei eingewanderten Elternteilen (789 000 Nachkommen, 2. Generation) 1). 9,7 Millionen Personen ohne Einwanderungsgeschichte leben laut Mikrozensus in Bayern.
Berücksichtigt man das Zuzugsjahr der Eingewanderten, lassen sich verschiedene Zeitspannen und Entwicklungen im Migrationsgeschehen ablesen. So wird der Zeitraum 1950 bis 1989 maßgeblich durch die Gastarbeiter geprägt, 1990 bis 2013 durch den Zuzug der (Spät-) Aussiedler und die zurückliegenden elf Jahre durch Arbeitsmigration aus Mittel- und Osteuropa, die Flüchtlingswelle ab 2015 und den Zustrom von Schutzsuchenden aus der Ukraine ab 2022.
Die Gründe, warum Menschen nach Bayern einwandern, die beim Mikrozensus abgefragt werden, variieren zwischen Arbeit, Beschäftigung, Studium, Aus- oder Weiterbildung, familiären Gründen, Flucht und Asyl oder dem Wunsch, sich in Deutschland im Rahmen der EU-Freizügigkeit niederzulassen. Generell ist zu beachten, dass die Befragten im Mikrozensus nach ihrer subjektiven Selbsteinordnung gefragt werden. Sie dürfen einen Hauptgrund angeben, auch wenn in der Praxis die Einwanderungsgründe oft vielfältig sein können und der Hauptgrund nicht der ausschließliche Grund für den Zuzug sein muss.
Beschäftigungsaufnahme seit 2010 häufigster Zuzugsgrund
Insgesamt leben in Bayern 2025 rund 2,7 Millionen Menschen, die seit 1950 eingewandert sind. Rund jeder Zweite ist nach 2010 nach Deutschland zugezogen. Die Gründe für den Zuzug2) verändern sich im Zeitverlauf. Während 43 Prozent der vor 2010 Eingewanderten aufgrund von Familienzusammenführung zugezogen sind, hat die Aufnahme einer Beschäftigung in den letzten 15 Jahren an Bedeutung gewonnen. Auch die Fluchtwellen nach 2010 lassen sich in der Entwicklung ablesen.
Insgesamt sind ab 2010 mit 431 000 Personen bzw. 30 Prozent der Eingewanderten mit dem Ziel einer Beschäftigungsaufnahme eingewandert. Bei denen, die vor 2010 eingewandert sind, trifft dies auf 16 Prozent zu. Rund ein Viertel (362 000) der nach 2010 Eingewanderten ist aufgrund von Familienzusammenführung eingereist und 19 Prozent (271 000) aufgrund von Flucht oder Vertreibung. Bei den vor 2010 Eingewanderten geben zehn Prozent bzw. 126 000 Personen Flucht als Hauptgrund für die Einreise an.
Die Zuzugsgründe unterscheiden sich dabei nach Geschlecht: Mit 284 000 bzw. 37 Prozent ist fast jeder dritte männliche Eingewanderte nach 2010 mit dem Ziel einer Beschäftigungsaufnahme zugezogen. Mit jeweils 20 Prozent wird die Familienzusammenführung und Flucht oder Vertreibung als Grund häufig genannt.
Auch bei den Frauen hat die Beschäftigungsaufnahme als Einwanderungsgrund an Bedeutung gewonnen. Insgesamt 22 Prozent bzw. 147 000 der seit 2010 eingewanderten Frauen streben eine Beschäftigungsaufnahme an. Trotzdem wird hier nach wie vor die Familienzusammenführung mit 31 Prozent als häufigster Grund für die Einwanderung angeführt.
71 Prozent Familienzusammenführung aus europäischen Ländern
Insgesamt sind 892 000 Personen ab 1950 zur Familienzusammenführung eingewandert.
71 Prozent stammen dabei aus europäischen Ländern, 23 Prozent (alt: 32 Prozent) aus Asien, Australien, Ozeanien, vier Prozent aus Amerika und zwei Prozent aus Afrika.
Im Mikrozensus umfasst der Zuzugsgrund „Familienzusammenführung“ die Personen, die entweder mit einem Familienmitglied in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind oder einem in Deutschland bereits lebenden Familienmitglied gefolgt sind. Über 60 Prozent bzw. 539 000 Personen, die „Familienzusammenführung“ als Grund angeben, sind bereits als Kind oder im Jugendalter (unter 20 Jahren) nach Deutschland eingewandert. Eingereiste mit dem Grund „Familienzusammenführung“ können also beispielsweise Kinder sein, die mit ihren Eltern eingewandert sind, die wegen der Beschäftigungsaufnahme einreisen.
Der Grund „Familiengründung“ wird angegeben, wenn die Person einem Ehepartner oder Lebenspartner, der bereits in Deutschland lebt, folgt. Während über den Grund „Familienzusammenführung“ in der Regel Kinder und Jugendliche einreisen, sind Eingewanderte mit dem Grund „Familiengründung“ älter. Von den 255 000 Eingewanderten mit diesem Grund sind 79 Prozent, also 202 000 Personen, im Alter zwischen 20 und 40 Jahren eingewandert.
Mehrheit mit Einwanderungsgeschichte selbst oder deren Eltern in Europa geboren
Die bayerische Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte ist im Schnitt jünger als die Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte. So sind 15 Prozent der Eingewanderten und nur etwa ein Prozent der Nachkommen, die per se natürlich jünger sind, 65 Jahre oder älter. Bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte sind es 26 Prozent, die mindestens 65 Jahre alt sind. Die Mehrheit der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte ist selbst oder deren Eltern in Europa geboren, darunter gut die Hälfte in einem der EU-Staaten (51 Prozent bzw. 1 230 000 Personen). Insgesamt 23 Prozent (806 000) stammen aus asiatischen Ländern, vier Prozent (145 000) aus afrikanischen und drei Prozent (107 000) aus amerikanischen Ländern.
Konzept der Einwanderungsgeschichte in der amtlichen Statistik
Migration und Integration sind zentrale Themen der politischen und gesellschaftlichen Debatte. Seit den 90er Jahren steigt der Bedarf nach methodischen Konzepten, die eine statistische Beschreibung ermöglichen. Staatsangehörigkeit und Migrationshintergrund waren damals die Konzepte. Die Februar-Ausgabe von „Bayern in Zahlen“ widmet sich genau diesem Thema und ist kostenfrei verfügbar unter: https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/biz/z1000g_202602.pdf
Hinweise:
1) Wenn nur ein Elternteil eingewandert ist, wird die Person in der Statistik als Person ohne Einwanderungsgeschichte erfasst. In Veröffentlichungen des Mikrozensus wird diese Personengruppe als „mit einseitiger Einwanderungsgeschichte“ separat ausgewiesen.
2) Im Mikrozensus werden die Auskunftspflichtigen nach ihrer Selbsteinschätzung zum „wichtigsten Grund des Zuzugs“ gefragt.
Mehr Ergebnisse enthält der Statistische Bericht, „Bevölkerung nach Einwanderungsgeschichte“ (Bestellnummer: A1411C). Der Bericht für die Erstergebnisse 2025 wird in Kürze erscheinen.
Ausführliche Ergebnisse zum Thema der Arbeitsmarktbeteiligung finden Sie im Artikel „Arbeitsmarktbeteiligung der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte in Bayern, Ergebnisse des Mikrozensus 2024“ in Bayern in Zahlen, Ausgabe 02/2026.
