Pressemitteilung

049/2026/41/A
Fürth, den 26. Februar 2026

Jeder 8. Suizid in Bayern 2024 ein assistierter Suizid

Neue Potentiale der multikausalen Todesursachenstatistik in Bayern

Das Bayerische Landesamt für Statistik stellt in seinem Online-Pressebriefing am
26. Februar 2026 die neuen Potentiale der multikausalen Todesursachenstatistik am Beispiel der Suizide in Bayern vor. Demnach kommen assistierte Suizide im Vergleich zu konventionellen Suiziden häufiger bei Frauen als bei Männern und verstärkt in höheren Altersgruppen vor. Die multikausale Todesursachenstatistik kann neue Erkenntnisse darüber liefern, welche Vorerkrankungen bei den Verstorbenen vorlagen. Schwere, oft tödlich verlaufende Krankheiten spielen bei assistierten Suiziden eine wichtige Rolle, während psychische Erkrankungen vor allem bei konventionellen Suiziden zu verzeichnen sind. Mit den neuen Analysen multikausaler Todesursachendaten stellt das Bayerische Landesamt für Statistik eine wichtige Datengrundlage insbesondere für den Bereich der Prävention, der Palliativ- und der allgemeinen Gesundheitsversorgung bereit.

Fürth. Dr. Andrea Buschner vom Bayerischen Landesamt für Statistik zeigt im Online-Pressebriefing auf, wie sich die Todesursachenstatistik in Bayern aktuell weiterentwickelt. Eine multikausale Auswertung ermöglicht nicht nur Aussagen darüber, wie sich die Verstorbenen in Alter und Geschlecht unterscheiden, sondern gibt auch Aufschluss darüber, welche Vorerkrankungen vorherrschten. Dies ist mit Blick auf Präventions- und Palliativmaßnahmen vor allem auch für Suizide relevant.

Insgesamt nimmt die Zahl der Suizide seit den 1980er Jahren ab. Im Jahr 1981 lag die Rate in Bayern bei 24,2 Suiziden pro 100 000 Einwohner (altersstandardisiert). Der niedrigste Stand wurde im Jahr 2019 mit 10,9 Suiziden pro 100 000 Einwohner festgestellt. Seitdem sind die Zahlen sowohl in Deutschland als auch in Bayern wieder leicht angestiegen. Nach dem Urteil1) des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2020, in dem das bis dahin geltende Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung für verfassungswidrig erklärt wurde, ist auch die Zahl der assistierten Suizide deutlich angestiegen.

Abb. 1: Suizide pro 100 000 Einwohner in Bayern (altersstandardisiert)

Während im Jahr 2020 in Bayern pro 100 000 Einwohner noch deutlich weniger als ein (0,1) assistierter Suizid verzeichnet wurde, erhöhte sich die Zahl auf 1,5 pro 100 000 Einwohner im Jahr 2024. Die absolute Zahl an Suiziden mit ärztlicher Assistenz lag in Bayern im Jahr 2024 bei 235 Fällen. Dies entspricht einem Anteil von fast 13 Prozent aller Suizide. Eine Betrachtung der Suizide im Zeitraum 2020 bis 2024 zeigt, dass Verstorbene bei einem assistierten Suizid in 63 Prozent der Fälle Frauen sind, während konventionelle Suizide überwiegend von Männern verübt werden (Anteil Frauen: 25 Prozent). Auffallend ist außerdem, dass Verstorbene bei einem assistierten Suizid im Mittel älter sind (Durchschnittsalter 75,7 Jahre) als Verstorbene bei einem konventionellen Suizid (Durchschnittsalter 58,3 Jahre). Insgesamt wurde fast ein Drittel der assistierten Suizide von Frauen ab 80 Jahren verübt.

Abb. 2: Suizidmethoden in Bayern nach Geschlecht im Zeitverlauf (Anteil an allen Suiziden in Prozent)

Ein Vergleich zwischen Frauen und Männern macht deutlich, dass Männer über die Zeit hinweg am häufigsten die Methode des Erhängens wählen. Zwischen 43 und 50 Prozent der männlichen Suizidenten entschied sich seit 2011 für diese Methode. Auch der Gebrauch von Schusswaffen ist bei Männern deutlich häufiger zu beobachten als bei Frauen. Frauen wählen neben der Methode des Erhängens häufiger einen Tod durch Sturz in die Tiefe oder durch Vergiftung – bis zum Jahr 2019 ohne ärztliche Hilfe, ab 2020 immer häufiger auch mit ärztlicher Assistenz. Im Jahr 2024 entschieden sich knapp 27 Prozent der weiblichen Suizidenten für einen assistierten Suizid.

Wichtig für entsprechende Präventionsmaßnahmen und eine zielgerichtete Verbesserung der Palliativversorgung sind auch die Kenntnisse zum Gesundheitszustand der Verstorbenen vor dem Suizid. Die multikausale Todesursachenstatistik kann hierüber Aufschluss geben und zeigt für die Suizide im Zeitraum 2020 bis 2024 in Bayern, dass Verstorbene nach assistiertem Suizid häufiger an Krebserkrankungen, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems oder Krankheiten des Nervensystems wie Parkinson, amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Multiple Sklerose gelitten hatten. Verstorbene nach konventionellen Suiziden zeigten dagegen häufiger psychische Erkrankungen wie depressive Episoden, Schizophrenie, bipolare Störungen oder Suchterkrankungen. Auch hier unterscheiden sich Männer und Frauen. Während Frauen häufiger Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems wie Einschränkungen im Bereich der Wirbelsäule und des Rückens, Arthrose oder Osteoporose zeigten, wiesen Männer häufiger Krebserkrankungen, Krankheiten des Nervensystems oder Herzkrankheiten auf.

Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter 112. Sie erreichen die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 08001110111 oder 08001110222.

Hinweise:
1) Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020 (2 BvR 2347/15 - 2 BvR 651/16 - 2 BvR 1261/16 - 2 BvR 1593/16 - 2 BvR 2354/16 - 2 BvR 2527/16)

Regionalisierte Ergebnisse sind aufgrund der geringen Fallzahlen und der resultierenden Geheimhaltung nicht flächendeckend verfügbar

In der Zeitschrift Bayern in Zahlen wird im Artikel KONVENTIONELLE UND ASSISTIERTE SUIZIDE IN BAYERN 2020 BIS 2024 die Analyse und Auswertung ausführlich dargestellt:
https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/biz/z1000g_202512.pdf